Vom Kurzvortrag ins Prüfungsgespräch im Abitur
Auf einen vorbereiteten Kurzvortrag folgt eine Frage, mit der du beim Üben kaum gerechnet hast. An einer erfundenen Erzählpassage probierst du aus, wie du einen Einwand aufgreifst und deine Deutung am Text überprüfst. Für die Vorbereitung klärst du außerdem, welchen Ablauf deine Schule unter einem Kolloquium versteht.
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Kläre, zu welcher Arbeit du sprechen wirst
Was deine Schule als Kolloquium bezeichnet, macht für deine Vorbereitung einen Unterschied. Geht es um das Gespräch über eine selbst verfasste Arbeit oder bekommst du Material, das du erst in der Vorbereitungszeit erschließt? Frag auch nach, wie der Einstieg aussieht und welche Aufzeichnungen du dabei verwenden darfst. Bitte deine Lehrkraft um ein Beispiel für eine typische Anschlussfrage in deinem Fach. An einer solchen Frage erkennst du schnell, was du über die Wiedergabe deiner Ergebnisse hinaus üben kannst.
Für die mündliche Deutschprüfung beschreiben die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz einen vorbereiteten Vortrag und ein anschließendes Prüfungsgespräch, das weitere fachliche Zusammenhänge erschließt. Daran orientiert sich das folgende Übungsbeispiel. Die Übersicht zum Abitur gibt dir den Rahmen. Für den Ablauf deiner eigenen Prüfung sind die Angaben deiner Schule maßgeblich.
Mach deinen Einstieg angreifbar
Nimm diese erfundene Szene als Ausgangspunkt. Ein Jugendlicher steht vor der Tür seiner früheren Nachbarin. Er legt den Wohnungsschlüssel auf die Fußmatte, rückt den Schlüssel gerade und steigt leise die Treppe hinunter. Du sollst deuten, wie der Abschied erzählt wird. Ein brauchbarer Einstieg wäre der Gedanke, dass die sorgfältige Bewegung des Jugendlichen sein Zögern erkennen lässt. Nenn anschließend die Beobachtung, die dich darauf bringt. Er könnte gleich gehen, bleibt aber noch, um den Schlüssel auszurichten. Wer dir zuhört, kann an diesem Detail anknüpfen.
Schreib dir für den Kurzvortrag Stichwörter auf, die du beim Sprechen wirklich brauchst. „Schlüssel gerade rücken“ ruft dir die Szene in Erinnerung. „Ambivalenz“ allein hilft weniger, wenn dir in der Prüfung gerade die Begründung für diesen Begriff entfällt. Probiere beim Üben aus, ob du von jedem Stichwort aus frei zum Text zurückfindest. Ein gelungener Einstieg lässt erkennen, was du behauptest und woran man diese Behauptung prüfen kann.
Antworte auf die konkrete Nachfrage
Eine Mitschülerin könnte einwenden, dass der Jugendliche einfach ordentlich sei. Wiederhole jetzt nicht den vorbereiteten Absatz. Prüfe, ob deine Deutung und ihre Lesart sich tatsächlich ausschließen. Du könntest antworten, dass seine Sorgfalt durchaus eine Gewohnheit sein kann. Weil sie ausgerechnet beim Weggehen ausführlich erzählt wird, erhält die Geste hier besonderes Gewicht. Für die stärkere Behauptung, er wolle zur Nachbarin zurückkehren, bräuchtest du dagegen weitere Hinweise. Die Präzisierung macht deine Antwort nachvollziehbar, auch wenn du einen Teil deines ersten Gedankens aufgibst.
Achte darauf, welche Art von Frage du hörst. Bei „Woran machst du das fest?“ lohnt der Weg zurück zur konkreten Handlung. Bei „Wie würde dieselbe Szene aus Sicht der Nachbarin wirken?“ brauchst du einen Perspektivwechsel. Die Nachbarin findet vielleicht später den Schlüssel, doch das Zögern im Treppenhaus kann sie nur beobachten, wenn der Text ihr diesen Blick ermöglicht. Nimm dir beim Antworten die Freiheit, einen solchen Unterschied ausdrücklich zu nennen.
Führe eine Probe mit echten Abzweigungen
Gib deinem Gegenüber die Szene und eine Aufgabe für das Zuhören. Die Person soll eine Stelle auswählen, an der sie dir widersprechen oder mehr wissen möchte. Beende den Kurzvortrag und lass sie frei entscheiden, womit sie einsteigt. Lass nach deiner Antwort kurz Zeit. Vielleicht greift deine Mitschülerin ein Wort aus deinem letzten Satz auf und fragt, ob es in der Szene noch eine andere Bedeutung haben könnte. Bleibt bei dieser Stelle, solange euch der Text Anlass für eine weitere Deutung gibt.
Notiert hinterher die Frage, bei der du ins Stocken geraten bist, möglichst im Wortlaut. Lag es an fehlendem Textwissen, an einem missverständlichen Begriff oder daran, dass du eine andere Frage erwartet hattest? Bitte um eine konkrete Rückmeldung wie „Nach dem Wort Perspektive fehlte mir ein Beispiel“. Für die nächste Runde wechselst du das Material und übst genau diesen Übergang. Im Leitfaden zur Auswertung von Übungsprüfungen findest du einen Ansatz, um aus solchen Beobachtungen die nächste Aufgabe abzuleiten.
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Häufige Fragen
Wie bereite ich mich auf überraschende Rückfragen vor?
Lass eine andere Person aus deinem Vortrag eine Behauptung auswählen und nach einem Gegenbeispiel fragen. Arbeite an deiner Begründung und probiere anschließend eine Frage zu einer anderen Stelle.
Was mache ich, wenn mir ein Begriff aus der Frage unklar ist?
Benenne kurz, zwischen welchen Bedeutungen du schwankst. Eine gezielte Rückfrage zeigt der prüfenden Person, an welcher Stelle du eine Präzisierung brauchst.
Kann ich das Kolloquium allein üben?
Sprich deinen Einstieg ein. Hör die Aufnahme später an und halte sie an einer Behauptung an. Schreibe eine Nachfrage dazu auf und beantworte sie beim nächsten Versuch ohne Blick in dein Manuskript.
Quellen & Nachweise
- Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife · Kultusministerkonferenz · 2012

