Projektkurs in der Oberstufe – von der Idee zur Abgabe
Im Projektkurs kannst du lange beschäftigt sein, ohne deiner Frage näherzukommen. Am Beispiel einer Wegskizze für das Schulgelände siehst du, wie du aus einer Idee einen prüfbaren Auftrag machst, deine Methode im Kleinen ausprobierst und später begründest, warum du deinen Entwurf verändert hast. Kläre die Anforderungen an die Abgabe gleich zu Beginn.
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Bring eine Frage ins erste Gespräch mit
„Ich will einen Plan vom Schulgelände gestalten“ ist eine brauchbare Idee für einen Projektkurs. Noch ist aber offen, welches Problem der Plan lösen soll. Vielleicht finden Gäste beim Schulfest den Seiteneingang schlecht, weil der Wegweiser an der entscheidenden Ecke kaum zu sehen ist. Damit bekommt dein Vorhaben eine Frage, die sich vor Ort untersuchen lässt. Wie müsste eine Wegskizze aussehen, damit jemand den Seiteneingang vom Schultor aus selbst findet?
Nimm zum Gespräch mit der Lehrkraft einen groben Entwurf mit. Frag, welches fachliche Verfahren du zeigen sollst und welche Teile der Arbeit bewertet werden. Darf eine andere Person deinen Entwurf ausprobieren? Brauchst du für Beobachtungen vor Ort eine Absprache? Halte auch fest, in welcher Form du Entwurf und Auswertung abgeben sollst. Falls du die Arbeit im Abitur einbringen möchtest, kläre die Voraussetzungen gesondert. Die Kultusministerkonferenz nennt Projektarbeiten als mögliche besondere Lernleistung nach den jeweiligen Landesregeln.
Erprobe die Methode, bevor du das Produkt ausarbeitest
Zeichne den Weg zunächst auf ein Stück Papier. Bitte jemanden, der mit dem Eingang wenig vertraut ist, die Skizze vom Ausgangspunkt aus zu benutzen. Begleite die Person, ohne ihr den Weg vorzusagen. Wo bleibt sie stehen? Wohin schaut sie zuerst? Notiere die beobachtete Handlung möglichst genau. „Am Fahrradständer suchte sie nach einem Durchgang“ hilft beim Überarbeiten mehr als „Sie fand die Karte unübersichtlich“.
Frag erst anschließend nach, wie die Person das fragliche Zeichen verstanden hat. Unterscheide in deinen Notizen die Beobachtung von der Erklärung, die du im Gespräch bekommen hast. Vielleicht stimmt die eingezeichnete Richtung, aber das auffälligste Gebäude ist auf der Skizze kaum zu erkennen. Dann lohnt es sich, an der Darstellung dieses Orientierungspunkts zu arbeiten, bevor du Farben oder Schriftarten für den ganzen Plan auswählst.
Halte fest, warum du den Entwurf geändert hast
Fotografiere oder kopiere die erste Fassung. Markiere die Stelle, an der jemand ins Stocken geraten ist, und schreibe daneben, welche Änderung du versuchen willst. Wenn du deinen Plan später präsentierst, lassen sich an diesem Blatt Ausgangslage, Beobachtung und Überarbeitung zeigen. Eine makellose Endfassung allein verrät wenig darüber, warum du gerade diese Lösung gewählt hast. Wenn ihr zu mehreren arbeitet, vermerkt auf der Skizze auch, wer welche Beobachtung gemacht hat. Bei der Auswertung könnt ihr dann gezielt die Person fragen, die an der unübersichtlichen Ecke mitgegangen ist.
Auch eine verworfene Idee kann etwas erklären. Angenommen, du wolltest alle Gebäudenamen eintragen, stellst aber bei der Probe fest, dass man sie am Eingang gar nicht lesen kann. Nun kannst du begründen, weshalb eine auffällige Tür oder eine Treppe für deine Skizze aufschlussreicher ist. Plane im Wochenplan Zeit für einen weiteren Versuch ein, solange du den Entwurf noch ändern kannst. Damit prüfst du genau die Entscheidung, von der dein Ergebnis abhängt.
Schreib eine Auswertung, die bis zum Material zurückführt
Beginne mit der Frage, die du tatsächlich untersucht hast. Erzähl dann an einer konkreten Stelle, wie du vorgegangen bist. Zeig beide Fassungen des Wegstücks nebeneinander und erkläre den Unterschied. Hat eine andere Person den Eingang mit der neuen Darstellung gefunden, kannst du dieses Ergebnis berichten. Erwähne dazu die Bedingungen. Wer den Weg schon aus dem ersten Versuch kennt, hat beim zweiten Durchgang einen anderen Ausgangspunkt als jemand, der zum ersten Mal durch das Tor kommt.
Für den letzten Absatz brauchst du kein großes Versprechen über die ganze Schule. Benenne, was deine Beobachtungen über den untersuchten Weg hergeben und welche Frage offenbleibt. Wie gut die Skizze im Gedränge eines Schulfestes funktioniert, ließe sich etwa erst bei entsprechendem Betrieb prüfen. Geh zum Schluss mit dem Aufgabenblatt durch deine Abgabe. Sind fremde Vorlagen als solche erkennbar? Kann jemand die genannte Beobachtung in deinen Unterlagen finden? Wenn ja, lässt sich dein Ergebnis auch von jemandem beurteilen, der beim Ausprobieren nicht dabei war.
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Häufige Fragen
Wie klein darf eine Projektfrage sein?
Beschreibe, was du mit deinen Unterlagen tatsächlich untersuchen kannst. Ein nachvollziehbar untersuchter Gebäudezugang bietet oft mehr Stoff für eine Auswertung als ein Versprechen über das gesamte Schulgelände.
Was dokumentiere ich bei einer Gruppenarbeit?
Halte Arbeitsteilung und gemeinsame Entscheidungen fest. Kennzeichne deinen eigenen Beitrag so, dass jemand an einer konkreten Stelle nachfragen kann, was du ausprobiert und überarbeitet hast.
Was mache ich, wenn mein erster Versuch scheitert?
Sichere das Zwischenergebnis. Zeig daran, warum die Methode deine Frage noch nicht beantwortet, und besprich mit der Lehrkraft, welche Änderung im Rahmen des Auftrags möglich ist.
Quellen & Nachweise
- Gymnasiale Oberstufe und Abitur · Kultusministerkonferenz

